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Teil
I Kindheit und Jugend
Teil II Der wilde Osten
Teil III Metropole Spezial
Teil IV Die Romantik der Straße
Teil V Endstation Heimat
Teil VI Hansestädte: Hamburg
Teil VII Musik ist unser Leben
Teil VIII Es ist ein Drama
Teil IX Wien Mitte
Teil X Lernen von den Alten
Teil XI Landliebe
Teil XII Fremde Welten
Teil XIII Natürlich, die Schweizer ...!
Teil XIV Jetzt noch wilder: der Osten
Teil XV Männer (sind immer verdächtig)
Teil XVI Paris, mon amour
Teil XVII Domstädte: Köln
Teil XVIII We are family
Teil XIX Musik, Volume 2
Teil XX 1, 2, 3, ... Vierter!
Teil XXI Schöner scheitern
Teil XXII Allerlei Leipzig – Turboprop Spezial
Teil XXIII Endlich München
Singlegeschichten I Jochen Schmidt
Singlegeschichten II Jakob Hein
Erstes
Münchner Kantinenlesen
FÖN:
Texte und Musik
K.L. McCoy: Mein Leben als FÖN
Sommer in der Stadt
Drunten am Fluss

GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Mi, 31.10.2001 Teil I Kindheit und Jugend
Kurze Texte aus München und Berlin
Jochen Schmidt, Berlin
Lorenz Schröter, Berlin
Flori Soft, München
Marco Strobel, München
Matthias Praxenthaler, München/Berlin
Unsere Geschichten
beginnen beim Beginn des (Er-)Lebens: in der Kindheit. Denn falls wir
einen Charakter haben, so liegen seine Wurzeln in unseren Anfängen
begraben.
Am Anfang war das Wort.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
12.1.2002 Teil II Der wilde Osten
Kurze Texte aus München und Berlin
Dörte Franke,
Berlin
Katja Huber, München
Wladimir Kaminer, Berlin
Jörg Steinleitner, München
Der Osten ist heimtückisch!
Fremd, finster und fröstelig war die weite Gegend, in der es früher
dunkel wurde, vielleicht sogar immer dunkel war. Längere Zeit überleben
konnten dort nur wahre Helden, z.B. James Bond. Der erfüllte seinen
Auftrag. In unendlich staubigen, steinigen, verseuchten Weiten, die keinen
Trost kannten. In verrußten, schwefeligen und vom Rost bedeckten
industriellen Zonen, die sich Stadt nannten und ihren Charakter schon
längst in Wodka ertränkt hatten. Wir anderen hatten keinen Auftrag
und für uns war es gut, dass der Osten da war, wo er hingehörte
- im Osten! Dies hat ihm aber nicht gefallen und er ist Schritt für
Schritt gewandert - nach Westen. Und so hat er uns - Männer! - hinterrücks
überrascht. Jetzt ist er da ... irgendwo da draußen lauert
er ... der wilde Osten!
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
16.3.2002 Teil III Metropole Spezial
Kurze Texte aus Berlin
Jakob Hein, Reformbühne
Heim & Welt
Robert Naumann, Chaussee der Enthusiasten
Dan Richter, Chaussee der Enthusiasten
Jochen Schmidt, Chaussee der Enthusiasten
Ivo Smolak & Sascha Kroß, LSD
Hinter der Stadt,
so die Auffassung in unseren alpinen Breiten, kommt das Land, nichts als
Land. Die Stadt lebt, weil sie sich von der ländlichen Hinterwelt
absetzt. Was aber, wenn sich - hier im Süden eher unbekannt - hinter
der Stadt die nächste Stadt versteckt? Der Einfachheit halber hat
man das Stadt-Stadt-Gebiet Metropole genannt. Oder Dschungel. Oder Moloch.
Der Lyrik der Metropolennamen sind keine Grenzen gesetzt. Viele lieben
die Metropolen und huldigen mit Namen, Liedern und Geschichten ihrem Zauber.
Stadt-Städte werden - Hokuspokus - zu „Moskau, Moskau“
(Dschingis Kahn), „New York, New York“ (Frank Sinatra) oder
Hongkong.
Ohne Mythos gibt es keine Metropole, höchstens ein „Ruhrgebiet“.
Was aber, wenn hinter der Stadt keine Stadt und auch kein Land, sondern
ein Kiez kommt...?
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
8.6.2002 Teil IV Die Romantik der Straße
Kurze Texte aus München und Berlin
Claudia Frenzel, München
Falko Hennig, Berlin
Abraham Katz, München
Susanne Schirdewahn, Berlin
Es gibt keine Romantik
der Straße. Es gibt keinen Sex. Höchstens Geschichten, die
für Verirrungen werben... Verklärungen einer misslichen Beziehungs-
oder Straßenlage, weil man ein unangenehmes Zuhause hat, einen quälend-blöden
Job oder eine Stimme mit auf den Weg bekam, für die niemand je Eintritt
zahlen würde.
Der Flirt mit der Straße ist wie jeder andere Flirt. Die Hingebung
zu irdischen Windungen gleicht amourösen Bögen und Kapriolen.
Alles ist erlaubt. Alle Lieder werden gesungen, alle Geschichten erzählt.
Denn die Wahrheit wäre das Ende. Straßen sind ein Gewirr schmieriger
Transportwege voller Ausdünstungen, die Wallungen der Liebe chemische
Ausschüttungen im Netz kleistriger cerebraler Drehungen.
Auf der Straße liegt man am besten tiefer. Darum ist es nur natürlich,
dass gebremste Liebe manchmal mit einer Hinwendung zum Motorsport pariert
werden kann. Oder zu wilden Tieren. Dass sich auf die Straße gesetzte
Herzenswünsche einen Pfad zwischen den Behausungen suchen, auf Weiden
tummeln, über Boulevards schweben und auf Highways toben. Was für
ein schöner Schwindel. Denn Lügen haben lange Beine.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
14.9.2002 Teil V Endstation Heimat
Kurze Texte vom Reisen
Steffen Kopetzky,
Berlin
Marie Pohl, Berlin
Kathrin Röggla, Berlin
Katja Schmid, München
Sind wir Tote auf
Urlaub? Vielleicht.
Vielleicht auch nur Nagetiere. Wenn Leben Reisen ist, dann steht die Heimat
zum Reisen wie die Katze zur Maus. Der Mensch ist eine Maus. Die Katze
packt die Maus, wenn diese sich freut, entkommen zu sein. Unbedarfte Mäuse
glauben in Bescheidenheit nämlich an ein Leben ohne Katzen und Kreuzberger
Schwaben trällern Kiezlieder am fröhlichsten, der Glockenbach
aber ist ein Bach, ist ein Bach...
Kluge Mäuse wissen: Die Reichweite der Katze entspricht exakt der
Reichweite der Maus. Die clevere Maus zollt der Katze Respekt. Sie sucht
die Nähe zur Katze... und weiß dann, wo diese steht. Da die
Katze in ständiger Bewegung ist, wechselt auch die Maus dauernd den
Ort. Nicht-gefressen-werden-Wollen ist Reisen.
Um nicht gefressen zu werden, gibt’s nur eins: Reisen, Reisen, Reisen.
Sonst wird auch noch der Urlaub gestrichen. Aus die Maus.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
18.1.2003 Teil VI Hansestädte: Hamburg
Kurze Texte der Macht
Verena Carl, Hamburg
Dierk Hagedorn, Hamburg
Benjamin Maack, Hamburg
Gordon Roesnik, Hamburg
An Orten, wo es windig
und widrig ist, und ab und zu sehr feucht, holt sich der gewöhnliche
Mensch eine Erkältung. Für ihn kein Platz, der zum Verweilen
oder gar Niederlassen einlädt. Nun aber schafft sich jeder Ort die
Bewohner, die er verdient... - und so hat sich die norddeutsche Tiefebene
die Hanseaten geschaffen. Erst wenn es stürmt, schüttet und
fegt, blühen sie richtig auf.
Während der Horizont der Bergbewohner in der Regel durch eine Felswand
beschränkt wird, schaut der Hanseat gerne ins Weite. Er sucht sich
seinen Horizont. Er weiß, dass ein Schiff weiterfahren kann als
ein Traktor. In seiner dem Dauerwind angepassten Sprache erzählt
er dann von der Freiheit. Von der großen Freiheit. Oder singt Lieder,
dass er nicht verweilen kann...
Während München und Wien immer noch um die urbane Krone auf
unserer Seite der Alpen buhlen (was ein Wiener selbstverständlich
anders sehen würde), hat unter den Hansestädten nur eine den
Titel verdient: Hamburg, die Perle der norddeutschen Tiefebene.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
17.5.2003 Teil VII Musik ist unser Leben
Kurze Texte aus Berlin, München und anderswo
Claudia Kaiser, München
André Kubiczek, Berlin
Stefan Maelck, Halle
Volker Strübing, Berlin
Seitdem Bäume
wie Pflanzen aus tristem Brennholz- oder Unkrautdasein zu Seinsformen
erhoben wurden, die gern ein paar Worte und noch lieber Lieder hören,
um freudig zu erblühen, hat die heimlich-wahre Beziehung zwischen
Mensch, Gewächs und Gesang endlich so weit an Aufklärung gewonnen,
wie sie es verdient. Diverse Pflanzen haben in Liedern und Dichtungen
verschlüsselte Bedeutungen. Sie sind für Atmosphäre und
allerlei mehr zuständig. Kein Geschenk ohne Tannenbaum, keine Liebe
ohne Rosen, nichts wird gut ohne die Linde ... Bäume und Musik -
das ist die letzte Bastion des Himmels auf Erden. Da es mit dem Wald immer
düsterer aussieht, konzentrieren wir uns auf die Musik. Schon Peter
Frankenfeld, verdienter Psychologe der Nachkriegszeit, wusste, dass „Linden
sind super“ oder „Eschen sind spitze“ nicht so gut klingt
wie „Musik ist Trumpf“. Und MTV oder sinfonische Klingeltöne
können all das nicht einläuten, was der Fortschritt sonst geschafft
hat - das Ende des Zaubers. Denn ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 13.9.2003 VIII Es ist ein Drama
Kurze Texte von Theater- und Hörspielautoren
Lukas Bärfuss,
Zürich
Britta Höper, Hamburg
Claudius Lünstedt, Berlin
Tim Staffel, Berlin
Gibt es einen
Unterschied zwischen Vicky, dem Hamster meiner Cousine, und Uschi G.,
der attraktiven Münchnerin? Vom dramatischen Standpunkt nicht. Beide
wollen unter allen Umständen in die Öffentlichkeit und bleiben
immer im selben Laufrad hängen. Selbstverständlich besteht eine
Differenz in der Lebenserwartung von Vicky und Uschi und somit in der
Zahl der Jahre, die beide mit dem Strampeln verbringen. Ein Drama ist
das nicht. Zappeln vor Auditorium ist weder komisch noch tragisch und
es infantil zu nennen wäre eine Gemeinheit meiner Cousine gegenüber.
Ein Drama ist tiefer als ein klaustrophobes Missverständnis und höher
als ein Torwart springen kann. Es ist persönlich. Aus komfortabler
Sicht könnte natürlich selbst Vicky eine Seele haben ... das
aber führt zu weit und so vermuten wir klassisch, dass eine Schwalbe
keinen Sommer, ein Haustier keine Natur und eine Uschi kein Drama macht.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
6.12.2003 IX Wien Mitte
Kurze Texte aus Wien
Franzobel
Thomas Glavinic
Sabine Gruber
Klaus Nüchtern
Es ist diese gewisse schnauzbärtige Maus, die für die lieben
Kleinen die größte Gefahr darstellt. Die Maus macht sie reif
für die Geschwindigkeit. Speed y Gonzales ist das Gift aus der schnellen
Welt des Kapitals - denn unabdingbar gilt heute: schnell sein ist alles!
So rennt die ganze Welt und rennt und rennt ... ein kleines Dorf aber
leistet tapfer Widerstand. Nun ist Wien, von dem hier die Rede ist, eigentlich
gar kein Dorf. Sondern eine Stadt. Während man sonst wo in immer
schnelleren Windungen und Wirrungen unablässig um den Gedanken an
globale Geltung kreiselt, haben das die Wiener schon hinter sich. Und
wissen, was dann folgt - nämlich: nichts. Und Nichts ist so wichtig,
dass man es auch bei einem Kaffee besprechen könnte. Der Realismus
der Wiener ist der härteste - so nackt, dass er zum höchsten
Charme verführt. Verrannt hat er sich dabei nicht. Darauf einen Kleinen
Braunen? Ja eh!
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
24.1.2004 X Lernen von den Alten
Kurze Texte aus München
Thomas Meinecke
Andreas Neumeister
Georg M. Oswald
Albert Ostermaier
„Es ist nutzlos, Dinge zu betrachten, die in uns nicht den Eifer
wecken, sie nachzuahmen, nicht den leidenschaftlich hervorbrechenden Willen,
ihnen ähnlich zu werden. Die Tugend hingegen vermag uns durch das
Vorbild ihres Wirkens zu bewegen, dass wir ihre Taten bewundern und gleichzeitig
den Männern nacheifern, die diese vollbracht haben.“ Plutarch
(46 bis ca. 120 n. Chr.)
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
15.5.2004 XI Landliebe
Kurze Texte aus der Umgebung
Larissa Boehning
Heike Geißler
Franziska Gerstenberg
Tobias Hülswitt
Warum sind feine Pferdewürschtl so rar? Das Pferd dieser Tage ist
ein exzellentes Symbol der Freiheit. Kein Schwein ist edel, keine Kuh
ist schön, ein Schaf nicht unbedingt gut. Doch wer kaut schon gerne
auf der Freiheit mit Senf, wenn sie so erhaben ihre Mähne schütteln
kann. Vielleicht aber hat das Pferd auch einfach nur eine fürchterlich
ansteckende Krankheit. Man isst es nicht und darum kommt es langsam, aber
sicher abhanden. Einfach so. Und dabei steckt das unverschämte Tier
noch die gesamte Umgebung an und nimmt sie gleich mit. Das würde
dem Pferd so passen: Wie das Land wird es immer populärer, in dem
Maß, in dem es sich vom Acker macht. Irgendwann bleibt dann auch
vom Land nur noch ein kümmerlicher Rest. Wir aber lieben es umso
mehr ... und träumen vom unbeugsamen Araber, wie er auf der Ebene
trabt und uns verstohlen sein Wiehern der Freiheit schenkt.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 11.9.2004
XII Fremde Welten
Kurze Texte aus fern und nah
Lilli Brand
Maja Das Gupta
Rujana Jeger
Feridun Zaimoglu
Es gibt gar keine Bayern! Nachdem sie alle Ureinwohner eliminiert hatten und
ihnen kein besserer Name eingefallen war, nannten sie sich einfach so,
wie die, die vorher da wohnten. Die mussten‘s ja wissen, oder? Ein
paar Jahrhunderte später zogen sie sich Häute von Tieren an und
behaupten, dass das gut war. Holzhacken und so ... und dass das schon immer
so war. Das glauben die doch selber nicht. Wer kann sich in einer Lederhose
anständig bewegen? Mit modischen Pulswärmern – untenrum! – anständig
die Axt schwingen, weil da ja das Bein in seinem lachhaften Kleid durch
die jahrhundertealte gemeinsame Erfahrung der bayerischen Holzfäller
und Wadlstrumpfstrickerinnen geschützt wird. Vermutlich sind sie damit
höchstens bis zur nächsten Wirtschaft gekommen. Und wenn sie
nicht die Baumstämme die Isar hinuntergeschafft haben, dann haben
sie immerzu fromme Lieder gesungen und ihren schwulen König verehrt.
Heimat, du bist mir so fremd ...
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
4.12.2004 XIII Natürlich, die Schweizer ...!
Kurze Texte aus dem Nachbarland
Lukas
Bärfuss
Jürg Halter
Peter Stamm
Christian Zehnder
Pisa zum Trotz haben unsere Kleinen das Lebenswichtige gelernt, bevor irgendeine
Studie das erfassen kann. Im Alter von zwei Jahren studieren sie den Willen
zur Macht, ab drei Biologie und mit fünf, falls männlichen Geschlechts,
Landschaftsarchitektur und gesellschaftliche Transportsysteme. Falls nun
dem kindlichen Modell – der Spielzeugeisenbahn – der Odem eingehaucht
würde wie Frankensteins Monster, bliebe keine Wahl ... aus der Szenario
im Hobbykeller wird die Schweiz. Dem jungen Nicht-Schweizer – die
Welt unterteilt sich in Schweizer und Nicht-Schweizer – ist dieses
Land ein seltsames Gebilde, an dem man Entscheidendes lernen kann. Wie
man etwa fleißig Waffen exportiert – und 800 Jahre jeden Krieg
an sich vorbei ziehen lässt. Dass die Abwesenheit von Krieg gemütlich
macht – auch beim Sprechen. Wie häufiger Genuss von Gerichten
mit zu viel Käse diesen Effekt verstärkt ... genauso wie die
Kopfkissen in den Geschäften, deren Inhalt in Papier gerollt und angezündet
wird ... doch halt, liebe Kinder, für heute genug von der Schweiz,
dem sagenhaften Land, in dem nicht nur die Kinder klug und glücklich
sind.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
22.1.2005 XIII Jetzt noch wilder: der Osten
Kurze Texte
Lena Gorelik
Radek Knapp
Dimitri Verhulst
Gernot Wolfram
„Die Weltgeschichte geht von Osten nach Westen,
denn Europa ist schlechthin das Ende der Weltgeschichte,
Asien der Anfang.“
Hegel
„ Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?
Mit ihrem Doppel-Auge leiden
sie auf zum blauen Firmament...
Doch niemand kommt herabgerennt
und kopuliert die beiden.“
Christian Morgenstern
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa,
5.3.2005 XV Männer (sind immer verdächtig)
Kurze Texte Gil Mehmert
Juan Moreno
Georg M. Oswald
Johanna Straub
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 10.9.2005
XVI Paris, mon amour
Kurze Texte Töne, Bilder und Devotionalien
aus dem wunderbaren Nachbarland
Claire
Angelini
Sigrid Behrens
David Foenkinos
Matthias Praxenthaler
Jakob Riedl (Deutscher Text)
Einer der größten Coups des Teufels war, dass er dem
armen
Johannes eintrichterte, vier grausame Reiter bringen das
Ende
der Welt. Das Gegenteil ist wahr. Die Erde wird eines Tages
von der Plumpheit erdrückt werden. Die Tiere der Apokalypse
sind große Touristengruppen ... Gott sagt dazu nichts. Er
lebt bekanntlich in Frankreich. In der Hauptstadt. Er spricht nur
Französisch. Eigentlich sagt er nur „l’amour“ und
findet - jetzt, nach den sieben Tagen - Staunen wichtiger als Arbeiten.
Es ist alles gesagt, alles getan. Nur ab und zu, wenn ihn die Schönheit
von Paris wieder überrascht, kommt über seine Lippen
ein leises „Oh la la...“
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GESCHICHTEN AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 29.10.2005 XVII Domstädte: Köln
Kurze Texte
Guy
Helminger
Stan Lafleur
Annette Mingels
Richard David Precht
Was für einen US-Amerikaner oder Lonely-Planet-Junkie das verborgene Paradies
Shangri-La, ist für den Kölner einfach Köln. Ein kleiner Unterschied
ist, dass Shangri-La wunderschön und Köln eher hässlich ist. Wäre
da nicht ... der Dom!
Seitdem Geschäfte wie Tempel aussehen, stehen Dome zwar weniger hoch im
Kurs, dem Kölner aber ist das egal. Im Gegenteil, erst eine visuell schwer
wegzusteckende Stadt kann einem Dom das geben, was er braucht – Pracht
und Herrlichkeit. Amerikaner, Liberale und Nicht-Kölner können das
nicht verstehen. Japaner schon. Und so bleiben rheinische Riten, Feiern und Verkleidungen
etwas für Kölner – genauso wie Harakiri nichts für Münchner
ist.
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GESCHICHTEN AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 10.12.2005 Teil XVIII We are familiy
Kurze Texte über heilige und unheilige Allianzen
Jochen-Martin
Gutsch
Henriette Kuhrt
Maxim Leo
Tilman Rammstedt
„We're giving love we're giving love we're giving love in a family
dose“
Sister Slegde
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GESCHICHTEN AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 21.1.2006 Teil XIX Musik, Volume 2
Kurze Texte über Musik und das Leben
Markus
Binder (Attwenger)
Elena Lange (Stella)
Karl Bruckmaier
Jonathan Fischer
„Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“
Ludwig van Beethoven
„Bei den Damen kommt man mit Chopin viel weiter als mit Mozart.“
Artur Rubinstein
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GESCHICHTEN AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 1.4.2006 Teil XX 1, 2, 3, ... Vierter!
Franz
Dobler
Katja Huber
Schorsch Kamerun
Noe Noack
Katha Schulte
Sport ist, wenn samstags die Sportschau beginnt, wenn Armstrong das Gelbe Trikot überstreift,
wenn der Countdown für die Weltmeisterschaft läuft. Der Größte
ist, wer am meisten Leistung bringt. Fast wie im Leben. Aber nur fast ...
Wir zeigen unser Herz für alle, die es nie aufs Siegertreppchen geschafft
haben, für alle, die das gar nicht vorhatten, und für alle, die nicht
glauben, dass ein Ziel wirklich aus dem Kreislauf des Lebens hilft.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 9.9.2006 Teil XXI Schöner scheitern
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Thomas
Klupp
Steffen Kopetzky
Michael Sailer
Philipp Tingler
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„Wozu
die Menschen da sind, wozu ’der Mensch’ da ist, soll uns gar
nicht kümmern: aber wozu Du da bist, das frage dich: und wenn Du es
nicht erfahren kannst, nun so stecke Dir selber Ziele, hohe und edle Ziele
und gehe an ihnen zu Grunde! Ich weiss keinen besseren Lebenszweck als
am Grossen und Unmöglichen zu Grunde zu gehen...“
Friedrich Nietzsche
„Die Welt wird durch die Schönheit
gerettet werden.“
Fjodor M. Dostojewskij
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 28.10.2006 Teil XXII Allerlei
Leipzig – Turboprop Spezial
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Christoph
Graebel
Tobias Hülswitt
Clemens Meyer
Claudius Nießen
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| Wahrzeichen
sind meist nicht nur groß, sie machen einen groß.
Erwachsen wird man in München mit dem Hofbräuhaus,
in Hamburg mit St. Pauli. In Leipzig mit dem Hauptbahnhof. Dem
Bahnhof? Wie kann man mit einem Bahnhof erwachsen werden? Gar
nicht. Aber man kann Sachse bleiben und sich „Capitain
Ramon Diaz de la Escosura“ nennen. So wie Karl M., der
bekannteste Sachse. Und wenn’s nicht mehr passt, zu „Prinz
Muhamêl Lautréaumont“ wechseln. Sein Haus
auf den Namen „Villa Bärenfett“ taufen und zum
Essen „Allerlei“ sagen. Allerlei essen. Sprechen
wie ein Ork. Die Mädels von den Bäumen pflücken
..... Sachsen ist das Paradies ewiger Kindheit, alle anderen
verstehen nur Bahnhof.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Sa, 27.1.2007 Teil XXIII Endlich München
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Friedrich
Ani
Daniel Grohn
FX Karl
Christoph Kastenbauer
Harriet Köhler
Richard Oehmann
Nora Scholz
|
| Auf
der nach oben offenen Herkunftsskala hört es sich weit besser
an, wenn man aus Berlin kommt als aus dem „staatlich anerkannten
Erholungsort“ Gunzenhausen. Auf dieser Skala kommt München
gar nicht vor. Christkindlmärkte, Kleiderordnung, Begrüßungsriten,
permanenter Alkoholmissbrauch, verbreitete Korruption und öffentliche
Cholesterinwerte machen allen Nichtmünchnern eine Einordnung
schwer. Gut so. Denn vor dem Paradies steht, fast immer, ein
Engel mit dem Schwert. Weil der Münchner Engel kein Schwert
zur Verfügung hat, ist er besonders hässlich: Er trägt
Loden, trinkt frühmorgens einen Prosecco, sieht aus wie
der alte Ministerpräsident, ein wenig brauner, spricht wie
der neue, fährt bei jeder Temperatur im Cabrio und wohnt
in Grünwald. Dahinter aber beginnt München. |
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Singlegeschichten
I
GESCHICHTEN AUS DER
GROSSEN STADT
Bayern2Radio, ZÜNDFUNK, VERLAG C.H.Beck präsentieren:
Di,
15.10.2002 Jochen Schmidt: „Müller haut uns raus“
In Jochen Schmidts
erstem Roman befindet sich der Ich-Erzähler in ein er fatalen Situation:
Er leidet an einer halbseitigen Gesichtslähmung, kann deshalb nur
noch grinsen und muss ins Krankenhaus. Die Ursache für diese Erscheinung
kann entweder Stress oder Entspannung nach Stress sein, und ähnlich
klar fällt auch die Selbstanalyse des Helden aus. Irgendetwas ist
schief gelaufen, und weil sein Körper nicht mehr weiterzuwollen scheint,
lässt er die Jahre nach der Wende noch einmal Revue passieren.
Jochen Schmidt ist
in München kein Unbekannter mehr. Seine Lesungen im Kilombo haben
die Anwesenden als fast schon legendäre Auftritte eines Berliner
Literaten in einer bayerischen Wirtschaft in Erinnerung behalten. Nun
also des Autors erster Roman - vorgestellt von ihm selbst, natürlich
im Kilombo. Wir freuen uns sehr. Denn nix is so heiß wie die Liebe
zwischen Bayer und Preiß.
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Singlegeschichten
II
GESCHICHTEN AUS DER
GROSSEN STADT
Bayern2Radio, ZÜNDFUNK, Piper Verlag präsentieren:
Fr,
7. 2.2003 Jakob Hein: „Formen menschlichen Zusammenlebens“
Ebony Browne: Urban Skateboard Folk
Jeden Tag Pistolenschüsse
und Breakdance, mit komplizierten, blassen und wunderschönen Frauen
im gelben Taxi ins Waldorf fahren. Das ist New York. Und genau dahin wollte
Jakob Hein schon mit zwölf, als er noch mit der Taschenlampe unter
der Bettdecke gelesen hat. Ein paar Jahre später studiert er in der
Neuen Welt - von New York bis San Francisco - die „Formen menschlichen
Zusammenlebens“. Dort sieht er Phoebe jeden Tag, mit ihren langen
braunen Haaren und dem wilden Kussmund, im Cupcake Cafe in der 9ten Avenue.
Aber die Liebesregeln im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind
noch komplizierter als die Frauen selbst.
Jakob Hein war im
Rahmen der GESCHICHTEN AUS DER GROSSEN STADT zum ersten Mal im Februar
2002 im Kilombo zu Gast. Dass Jakob Hein bei seiner Geburt nicht nur von
einer, sondern von mehreren Musen gleichzeitig geküsst worden war,
legten die diversen musikalischen Zugaben seiner Lesung nahe. Aber auch
Legenden benötigen von Zeit zu Zeit eine Auffrischung und so kommt
Jakob Hein exklusiv zur offiziellen Vorstellung seines ersten Romans in
Süddeutschland ins Kilombo.
Musikalische
Unterstützung gibt es von Ebony Browne. Die aus San Francisco stammende
Sub-Folk-Sängerin lebt zurzeit in Berlin - dort ist sie regelmäßiger
und gern gesehener Gast bei den verschiedenen Lesebühnen. Im Kilombo
gibt Ebony Browne ihr Debüt in München.
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
Bayern2Radio und ZÜNDFUNK präsentieren:
Do,
13.11.2003 Erstes Münchner Kantinenlesen
Ahne
Kirsten Fuchs
Jochen Schmidt
Volker Strübing
Eine Sonderausgabe
der Geschichten aus der großen Stadt in Zusammenarbeit
mit der 44. Münchner Bücherschau. Gasteigkantine,
München
Wissenschaftler
haben herausgefunden, dass männliche Küchenschaben, sobald das
Weibchen einen schlaffen Panzer bekommt, sich nach knackenderen Insekten
um-sehen. (International Nature, London, III, 2003) Unsere Küchenschabe,
von der hier die Rede ist, lässt die Partnerin bei der Spüle
des Lokals sterben und macht sich auf die Suche nach ihrem kulinarischen
Tempel Biotonne. In der gleichen Restauration, in der die weibliche Schabe
dem Schuh des Kochs nicht mehr entging, sind alle menschlichen Gäste
still. Um den Genuss nicht zu stören? Leider sind schon die Na-men
der Gerichte, die an impressionistische Kompositionen erinnern - und es
kommt doch nur ein Salat -, das Gegenteil von Genuss. Ohne verborgenen
Reiz. Die feierliche Stille der Feinschmecker ist die letzte Konsequenz
vom alten „Beim Essen spricht man nicht“, die Veredelung des
Krampfes aus den Kindertagen. Den gleichen Charme hat ein Tanzkurs im
TSV. Oder der Schnellschluss von Schaben oder Ameisen auf mensch-liche
Verirrungen. Leichter fällt der Schluss von der Ameise auf den Wissenschaftler.
Der wahre Reiz liegt in der Einheit der Widersprüche. Während
wir sehnsüchtig auf eine fröhliche Wissenschaft oder eine freudige
Vernunft warten, bleibt uns nur lautes Essen oder Bücherfressen -
und im Anschluss ein heiteres Verdauen.
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GESCHICHTEN AUS DER
GROSSEN STADT
Bayern2Radio und ZÜNDFUNK präsentieren:
Sa,
13.3.2004 FÖN: Texte und Musik
Michael Ebmeyer
Bruno Franceschini
Tilman Rammstedt
Florian Werner
Eine Sonderausgabe
der Geschichten aus der großen Stadt in Zusammenarbeit
mit dem Kulturreferat der LH München im Rahmen der
14. Internationalen Frühjahrsbuchwoche.
„Das Glück
passt in ein Kleid von H&M
Das Glück findet dies Kleid sogar bequem
Das Glück ist sowieso unkomplizierter als man denkt
Und doch gibt es das Glück nicht geschenkt.“
Fön
Es stimmt,
dass man sich mit einem Fö(h)n umbringen kann. Dass aber der Fö(h)n
einen umbringt, ist eine überspannte Münchner Attitüde.
Wer würde mit Kopfweh schon gerne Selbstmord begehen? Mit dröhnendem
Schädel schlägt man dem nördlichen Regenwetter für
ein, zwei Tage ein Schnippchen. Die Münchner Facon zum Fallwind ist
des Schadens froh ... stolz auch bei der Witterung auf der Sonnenseite
zu stehen - im Gegensatz zum nassen Durchschnittsgermanen. Kein Gewitter
ohne Donner, kein Rausch ohne Fieber: bei Fö(h)n prallen die Fronten,
da hilft kein Aspirin. Schönheit ist teuer erkauft - und das ist
gut so.
Der Fö(h)n, das ist ein warmer Wind aus Italien ...
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT
und der Piper Verlag präsentieren:
Di,
26.10.2004 K.L. McCOY: MEIN LEBEN ALS FÖN
Buchpräsentation & Konzert der Gruppe Fön im Cord, München
„Ich habe in aller Ruhe erklärt, warum es so nicht ging,
und Brüllender Bär und Fast ein wenig zu großer Adler
zu Kapitänen ernannt, die nun abwechselnd ihre Mitspieler bestimmen
sollten. Natürlich war es bereits Mittag, als beide Teams komplett
waren. Und ich hatte längst den Überblick verloren und konnte
daher nur vermuten, dass es bei der Aufteilung nicht mit rechten Dingen
zugegangen war, vor allem, weil Brüllender Bär und Fast ein
wenig zu großer Adler in derselben Mannschaft spielten.“ K.L.
McCoy
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT präsentiert:
MO, 1.8.2005
SOMMER IN DER STADT
ZÜNDFUNK
live aus dem Englischen Garten
mit Lesung und Musik von Chiotto Django,
Philipp Catterfeld, Tobias Hipp, Thomas Meinecke,
Georg M. Oswald und
Sebastian Wolf.
Moderation: Bärbel Wossagk und Achim Bogdahn.
seitenanfang
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GESCHICHTEN
AUS DER GROSSEN STADT präsentiert:
Fr, 4.8.2006 Drunten am Fluss
ZÜNDFUNK live aus dem Englischen Garten
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Lesung
mit:
Sebastian Horn (Bananafishbones), Georg M. Oswald,
Madeleine
Prahs, Barbara Streidl (Moulinettes) und
Friederike Trudzinski.
Musik: Dos Hermanos.
Moderation: Andrea Bräu und Achim Bogdahn.
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| Cowboys
nennen das Paradies nicht Paradies, sondern Mexiko. Das liegt jenseits
des großen Flusses. Mexiko ist voll von hübschen Frauen,
Alkohol und Freiheit. Allerdings können Cowboys den Rio Grande
nur kreuzen, wenn ihnen die Kugeln hinterherpfeifen. Mal eben einfach
reinschnuppern ist nicht. Warum das so ist, weiß niemand,
nicht einmal die Cowboys selbst. Das Paradies ist sogar den Cowboys
zu gefährlich. Und so sitzen sie bis heute am Ufer des Rio
und singen ihre traurigen Lieder, in denen das Paradies Mexiko
heißt, auf der anderen Seite des Flusses liegt und so schön
ist, das es meist das Leben kostet.
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